Kotzebue als Intendant des Wiener Burgtheaters

von | 29/04/2021

Gastbeitrag von André Georgi (Bielefeld)

Anfang 1799 verließ Kotzebue Jahr Wien. Ein schwieriges Jahr lang war er Intendant an einem der wichtigsten Theater seiner Zeit gewesen: dem Burgtheater.

Trotz Publikumszuspruch war seine Intendanz letztlich am Widerstand der Schauspieler und eines mächtigen Besetzungsausschusses – den Kotzebue als »Oligarchie« bezeichnete – gescheitert. Neben Repertoire-, Regie- und Besetzungsfragen spielten Differenzen über den Schauspielstil die entscheidende Rolle in diesem Konflikt: Kotzebue rügte den deklamatorischen »Predigerton« der älteren Schauspielergeneration und versuchte einen realistischeren »Conversationston« durchzusetzen.

Als Gerüchte, er sei ein Jakobiner, in die Welt gesetzt wurden, wurde die Angelegenheit rufschädigend und gefährlich. Deshalb schrieb Kotzebue sofort nach seinem Ausscheiden Über meinen Aufenthalt in Wien und meine erbetene Dienst-Entlassung, um sich zur Wehr zu setzen, die Gerüchte zu entkräftigen und die publizistische Hoheit zurückzugewinnen. In einem Anhang dieser Schrift (der »Beilage C«) druckt Kotzebue einen im März 1798 erschienenen Aufsatz ab, in dem der anonyme Verfasser ihn verteidigt. 1801 gab sich der Verfasser in einer kleinen Broschüre, die er Kotzebue widmete, zu erkennen: Carl Anton von Gruber. In dieser Schrift Über Ifflands Mimik beschreibt Gruber Ifflands auch von Kotzebue favorisierten Schauspielstil, den er bei einer Aufführung von Ifflands Einakter Die eheliche Probe studiert hatte, sehr genau.

Ueber Ifflands Mimik. An den Herrn August von Kotzebue, von Carl Anton von Gruber. Wien. Bey Anton Pichler. 1801.

 

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